Vermögensanlage in Edelholz: Denn Bäume wachsen trotz Krise!
(08.09.09) Waren es in der Vergangenheit ausschließlich Initiatoren, die Ihren Anlegern eine direkte Anlage in Wald bzw. Holz ermöglichten, sind seit 2006 vor allem Anlagelösungen mit starker Wertpapierprägung und ab 2007 eine Vielzahl von KG-Beteiligungen dazu gekommen. Um die vielen Angebote an Wald- und Holz-Anlageformen richtig einstufen zu können, gilt es, die Besonderheiten des Holzmarktes zu kennen. Dabei geht es um
+ die Unterschiede zwischen Nutzholz und Edelholz und
+ die Preisspannen bei verschiedenen Holzqualitäten.
Im Vergleich zu anderen Rohstoffen hat die Anlageklasse Wald/Holz eine herausragende Besonderheit: den naturgegebenen Zinseszins. Der Anleger investiert nicht in totes Material, sondern in lebende Bäume. Dabei sorgt die Natur für Wachstum. Jeder neue Baumring steht für den „Zinsertrag“ eines Jahres. Von Jahr zu Jahr werden die Jahresringe, die Zinsen des Anlegers, größer. Die Rohstoff-Menge nimmt also kontinuierlich zu. Dadurch wird der Anleger vermögender, selbst wenn der Preis für das Holz nicht steigt.
Spitze eines gewaltigen Marktes
Vom jährlichen Holz-Handelsvolumen, weltweit ca. 200 Mrd. EUR, entfallen etwa 60 Prozent auf Harthölzer – hauptsächlich Tropenhölzer. Darin enthalten sind ca. 8 Mrd. EUR Umsätze in Hölzern mit den besten Eigenschaften, den sogenannten Edelhölzern, wie beispielsweise Teak oder die auch in Europa wachsenden Edelhölzer Robinie, Kirsche oder Nuss. Diese Edelhölzer machen 4 bis 5 Prozent des globalen Holzmarktes aus. Bei den Edelhölzern handelt es sich also nur um die Spitze eines gewaltigen Marktes. Der Rest, das heißt die große Masse der angebotenen Hölzer, ist dem Segment Nutzholz zu zuordnen.
Wald-/Holz-Anlageformen, die sich auf die Produktion von Nutzholz konzentrieren, unterliegen damit automatisch den Gesetzen eines Massenmarktes. Der Investor muss sich auf große zyklische Preisbewegungen einstellen und wird auf lange Sicht ähnliche Ertragsperspektiven erzielen, wie sie seit Hundertern von Jahren beim (Nutzholz-)Waldbesitz ihre Gültigkeit haben – der reale Kaufkrafterhalt.
Steigende Nachfrage bei sinkendem Angebot
Konzentriert sich die Anlagekonzeption auf den Edelholzmarkt, wird in einen sehr begrenzten Markt investiert. Der weltweite Edelholz-Bestand wurde durch den Raubbau mehrerer Generationen so reduziert, dass für die nächsten 20 Jahre ein kontinuierlich abnehmendes Angebot auf eine weltweit steigende Nachfrage trifft. Diese Knappheit und die herausragenden Eigenschaften von Edelholz ermöglichen im Vergleich zum Nutzholz ein sehr viel höheres und besser kalkulierbares Renditepotenzial. Die Konzentration auf die Spitze des Marktes führt zu den höchsten Ertragschancen in der Anlageklasse Wald/Holz.
Ein weiteres Merkmal, welches zu erheblichen Preisunterschieden beim späteren Verkauf des Holzes führt, ist die Holzqualität. Diese resultiert maßgebend aus der jeweiligen Forststrategie. Die Forstwirtschaft unterscheidet in der Holz-Produktion zwischen der extensiven Strategie und der intensiven Strategie.
Gewinn nur bei intensiver Pflege
Bei der intensiven Strategie führen laufende Pflegemaßnahmen – insbesondere die Astung – zur Produktion von überdurchschnittlich guter Holzqualität. Gerade und astfreie Stämme ermöglichen eine Verwertung in der höchsten Schnittholzgüte, bei ausreichender Stammdicke erreicht der untere Teil des Stammes sogar Furnierholzqualität. Bei der extensiven Strategie beschränkt sich die Pflege von Bäumen auf die Behandlung kranker Bäume und die Optimierung vom Platzangebot für verbleibende Bäume, sie begnügt sich in der Regel also auf Ausdünnungen. Dem Astwuchs bzw. der Verhinderung von Astbildungen wird dabei keine Beachtung geschenkt. Dadurch ist das Holzangebot aus extensiv gepflegten Wäldern im Vergleich zum Holz aus intensiv gepflegten Wäldern in der Qualität stark gemindert und wird in den erzielbaren Preisen mit sehr hohen Abschlägen gehandelt.
Je nach Holzart wird für die Holzqualität aus der intensiven Produktions-Strategie das vier bis zu zehnfache gegenüber der Qualität aus der extensiven Strategie bezahlt.
Dazu kommt, dass die weiteren Faktoren einer intensiven Holz-Produktion – bester Boden, optimales Klima und besonderes genetisches Material kombiniert mit einem speziell zur Holzart passenden Pflanz- und Auslichtungs-Schema – die Wachstumszeit bis zum Erreichen einer erntereifen Stammdicke erheblich reduziert. Unter optimalen Bedingungen kann damit die Dauer der Kapitalbindung um 25 bis 50 Prozent reduziert und damit eine hohe Rendite-Optimierung erzielt werden.
Zertifikate rauschen in den Keller
Die Vorteile des natürlichen Baumwachstums und die Einmaligkeit der nicht korrelierenden Wertentwicklung zu börsenabhängigen Portfolio-Bausteinen stellt jeder Anbieter in seinen Werbeaussagen heraus. Der mögliche Käufer soll die Überzeugung gewinnen, dass sein Angebot für eine Portfolio-Optimierung geeignet ist.
Der letzte Abschwung hat jedoch gezeigt, dass dies für Zertifikate, welche den Index eines Holz-Aktien-Korbes abbilden, beziehungsweise für Fonds, die ausschließlich Forstaktien kaufen, nicht gilt. Gerade im Abschwung, in welchem das nachhaltige Geschäftsmodell der Forstunternehmen ein Fels im Kunden-Depots sein sollte, rauschen die Kurse, wie bei allen anderen börsenabhängigen Portfolio-Bausteinen in den Keller – von Portfolio-Optimierung also keine Spur. Der Preis einer liquiden Holz-Anlage wird also sehr teuer eingekauft und verfehlt den eigentlichen Sinn – eine börsenunabhängige und kontinuierliche Wertentwicklung zu erzielen. Dies wird auch im nächsten Abschwung so sein.
Konzepte, die zur Langfristigkeit eines Wald-/Holz-Investments passen, sind die Angebote der Direktanbieter und der KG-Initiatoren. Die Mehrzahl der KG-Emissionshäuser will vor allem verhältnismäßig viel Geld einsammeln. Um dies investieren zu können, müssen sie sich auf Nutzholz-Wälder konzentrieren – mit all den oben geschilderten Auswirkungen. Wichtig ist, dass die „Holzneulinge“ das Holz-Branchenwissen einkaufen. Dass ist zwar teuer, aber nur so ist gewährleistet, dass eine Partizipation am natürlichen Wachstum auch Früchte tragen wird.
Rundholz statt Bäume
Die ältesten Anlagelösungen kommen von den Direktanbietern. Dabei haben sich hauptsächlich zwei Investitionsformen am Markt etabliert. Unterschieden wird zwischen dem Kauf von Bäumen und dem Kauf von einer feststehenden Holzmenge.
Beim Kauf von Bäumen partizipiert der Investor im vollen Maße am Baumwachstum. Je besser das Wachstum, desto höher das Ertragspotenzial. Wenn jedoch genau auf der Fläche, die ihm gehört, die Bäume aus irgendwelchen Gründen nicht gut wachsen, vielleicht sogar Schaden durch Natur- oder Fremdeinwirkungen nehmen, fällt der Erlös des Anlegers entsprechend niedriger aus – im Extremfall kann er sogar einen Totalverlust erleiden. Aus steuerlicher Sicht erzielt er Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, die nach heutigem Steuerrecht in voller Höhe der Einkommensteuer unterliegen.
Beim Kauf von Rundholz fließt das Kapital des Anlegers ebenfalls in junge Bäume. Er erwirbt aber einen Anspruch auf eine ganz bestimmte Menge Rundholz von diesen Bäumen – entsprechend dem erwarteten durchschnittlichen Wachstum. Da die Holzmenge feststeht, partizipiert der Anleger nicht von einem überdurchschnittlich guten Wachstum. Dafür hat er aber auch kein Risiko, dass Bäume eventuell nicht so gut wachsen oder sogar verlustig gehen. Er kann mit der feststehenden Menge Rundholz rechnen. Bei den vielen Bäumen des Initiators an verschiedenen Standorten gleichen sich besseres Wachstum hier und schlechteres Wachstum dort nach dem Gesetz der großen Zahl aus. Steuerrechtlich erwirbt der Anleger in der privaten Lebensführung einen Sachwert, den er außerhalb der Veräußerungsfrist wieder verkauft. Damit sind die Erträge aus dem Rundholzkauf nach heutigem Steuerrecht steuerfrei.
Auf Sicherheiten und Rücklagen achten
Allerdings verlangen die Konzepte der Direktanbieter für die Wertpapier-Branche einen großen Schritt aus der „Komfortzone“. Der direkte Kauf von Wald oder Holz unterliegt nämlich keiner Regulierung beziehungsweise Aufsichtsbehörde. Bei der Wahl des Anbieters sollte der Anleger auf klare Aussagen zur Mittelverwendung achten, insbesondere ob Rücklagen für Pflege, Bewachung und das Ernten gebildet werden.
Ein anderes entscheidendes Kriterium ist, ob sein vertraglicher Anspruch in einer rechtlich einwandfreien Form abgesichert ist – durch Eintragung in einem öffentlichen Register (vergleichbar dem Grundbuch). Das Vorhandensein eines Prospektgutachtens durch einen Wirtschaftsprüfer sollte der Anleger ebenfalls zu einer Voraussetzung machen. Wer das Vorstehende bei der Wahl des Anbieters aber berücksichtigt, kann durch die Beimischung von Edelholz eine hervorragende Vermögensoptimierung erzielen.
Der Beitrag stammt von unserem Netzwerk- und Edelholz-Experten Herrn Andreas Rühl:
Andreas Rühl veröffentlichte gemeinsam mit Co-Autor Marco Feiten 2007 im FinanzBuch-Verlag das Standardwerk: Investieren in Edelhölzer