Vorwort von Prof. Dr. Thomas Zinser
Das Stichwort "Nettorendite" hat bei der steueroptimierten Geldanlage eine große Bedeutung. Allerdings können Anleger nicht mehr lange auf bisher geltende Steuerregeln zurückgreifen. Mit dem Gesetz zur Unternehmensteuerreform 2008 wurde die so genannte Abgeltungssteuer für Kapitaleinkünfte beschlossen. Ab Neujahr 2009 kommt es zu einer gravierenden Systemumstellung, indem Kapitalerträge nicht nur losgelöst von den übrigen Einkünften, sondern auch nach neuer Systematik besteuert werden. Veräußerungsgewinne im Kapitalanlagebereich werden generell steuerpflichtig. Mit der Abgeltungssteuer will der Gesetzgeber insbesondere den Transfer von Kapitalvermögen Privater ins Ausland stoppen, das Steueraufkommen stärken und das Besteuerungsverfahren von Kapitaleinkünften vereinfachen.
Die zu erwartenden Auswirkungen haben bereits heute einen maßgeblichen Einfluss auf Anlageentscheidungen. Zu denken ist etwa an den Abschluss eines neuen Lebensversicherungsvertrags, eines Fondssparplans oder die Wahl zwischen Anleihen, Aktien und Zertifikaten. Die Besteuerung der Kapitaleinkünfte gehört bereits nach geltendem Recht zu den kompliziertesten Gebieten des Einkommensteuerrechts. Dies liegt u.a. an der Kreativität der Emissionshäuser, die in immer kürzeren Abständen neue Produkte zur "Steueroptimierung" anbieten, die wiederum sogleich die Finanzverwaltung zu Gegenreaktionen animieren und dem sich ständig im Fluss befindlichen Steuerrecht, wie dies etwa in der jüngeren Vergangenheit anhand der zahlreichen BFH-Urteile zur Besteuerung von Finanzinnovationen deutlich wurde.
Das wird sich ab 2009 ändern, weil dann z.B. nicht betriebliche Kapitaleinkünfte genauso wie Veräußerungsgewinne einer 25%igen Quellensteuer mit grundsätzlicher Abgeltungswirkung unterworfen werden. Die bisher so wichtige und konfliktträchtige Abgrenzung zwischen Ertrag - als Frucht der Überlassung von Kapital - und Substanz - dem Kapitalvermögen selbst - wird damit obsolet.
Das Buch von Markus Miller gibt einen Überblick zu den beschlossenen Änderungen, die für Kapitalanleger im Privat- und Betriebsvermögensbereich relevant sind, und zeigt praktische Handlungsalternativen und Lösungsmöglichkeiten auf. Sehr hilfreich ist hierbei die Gegenüberstellung von derzeitiger und künftiger Rechtslage.
Die einzelnen Kapitel sollen Anlegern, Beratern und Verwaltern den Einstieg in die Systemumstellung erleichtern und als erste Orientierungshilfe dienen. Bei tiefer gehenden Fragen, insbesondere im Hinblick auf notwendige Depotumstellungen, sollte aber zusätzlich stets ein fachmännischer Rat von Ihrem Steuer- oder Finanzberater eingeholt werden.
Denn Sie werden schnell feststellen, dass - wenn überhaupt - mit der Umstellung auf die Abgeltungssteuer nur ein geringer Teil der Versprechen zur Vereinfachung des Steuersystems eingelöst wird.
Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht Ihnen
Prof. Dr. Thomas Zinser
Ebner Stolz & Partner
Abgeltungssteuer – Optimierung durch Konservierung, Versicherung oder Verlagerung!
Der Themenbereich „Abgeltungssteuer“ ist natürlich wie erwartet einer der Steuer-Schwerpunkte ab dem Jahre 2008, welches gleichzeitig die – vorerst - letztmalige Möglichkeit bietet, für Sie als Anleger das noch bestehende Steuerrecht für die Zukunft festzuschreiben über die so genannte Altbestandsregelung. Für Zertifikate gilt diese Altbestandsregelung leider nicht, sehr wohl jedoch für Investmentfonds. Dieser beliebten Anlageklasse möchte ich aus diesem Grunde in diesem Buch einen Schwerpunkt widmen neben den flexiblen Modellen der Lebensversicherungen, vor allem aus Liechtenstein, Luxemburg, England und Irland. Ebenso möchte ich Ihnen als Kapitalanleger konkrete, aber nicht pauschale Ratschläge für Ihre Entscheidungen an die Hand geben.
Es gibt drei grundlegende Strategien als Antwort auf die Abgeltungssteuer
Viele Banken, Berater und Produktanbieter „verkaufen“ im wahrsten Sinne des Wortes derzeit die unterschiedlichsten Produkte als „die Beste“ Möglichkeit, die Abgeltungssteuer zu umgehen oder zumindest zu optimieren. Seien und bleiben Sie hier bitte kritisch. Es gibt aus meiner Sicht keine pauschale und ultimative Lösung als Antwort auf die Abgeltungssteuer.
Nehmen Sie sich die Altersvorsorge als Vorbild. Hier haben sich mittlerweile 3 verschiedene Säulen (Strategien) etabliert. Die gesetzliche Rente, die betriebliche Altersvorsorge und Ihre persönliche und private Altersvorsorge, welche zum Teil über Riester oder Rürup-Modelle zusätzlich noch – abgeltungssteuerfrei - gefördert wird. Die private Altersvorsorge wird dabei zunehmend die wichtigste Säule werden.
Die 3 Säulen als Strategie für die Abgeltungssteuer sind für mich derzeit die Nutzung der Altbestandsregelung durch Kauf vor dem 31.12.2008 (Konservierung) zumindest für den langfristig ausgelegten Teil Ihrer Vermögenswerte, die Führung Ihres Wertpapierdepots oder Sparplanes in einem Lebensversicherungsmantel (Versicherung) und die Verlagerung von Vermögenswerten in Strukturen, die von der Abgeltungssteuer nicht betroffen sind. Hierzu zählen beispielsweise physische Werte wie Gold, Kunst oder Immobilien, alternative Steuersubjekte wie Gibraltar-Fonds, Luxemburg Gesellschaften, Geschlossene Beteiligungen wie Schiffsfonds oder im Allgemeinen alternative Steuersubjekte (Vermögensverwaltende- beziehungsweise haltende Gesellschaften).
Auch die wohl effizienteste Antwort auf die Abgeltungssteuer fällt in diese Strategie. Die Wohnsitzverlagerung.
Herzlichst Ihr
Markus Miller
Gründer und Herausgeber von GEOPOLITICAL.BIZ – www.geopolitical.biz
Chefredakteur Kapital & Steuern vertraulich
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