ETF - Exchange Traded Funds / ETC - Exchange Traded Commodities

Exchange Traded Funds (auch Indexaktien, börsengehandelte Indexfonds oder kurz ETFs genannt) sind Investmentfonds, die an der Börse gehandelt werden und in der Regel als Indexfonds betrieben werden. Indexfonds haben das Ziel, die Wertentwicklung eines bestimmten Index wie z.B. den DAX oder den Euro Stoxx nachzubilden. Es gibt mittlerweile auch ETF's die bestimmte Strategien abbilden, auf fallende Kurse setzen oder auch so genannte ETC's (Exchange Traded Commodities) bei welchen der Anleger auf Rohstoffe wie Gold setzten kann. Das Gold ist dabei physisch hinterlegt.

Da auf ein aktives Management des angelegten Geldes verzichtet wird, können diese Fonds mit einer deutlich geringeren Verwaltungsgebühr (Management Fee) angeboten werden als sie bei Investmentfonds sonst üblich ist. Sie sind mit den an bestimmte Indizes gebundene Indexzertifikaten vergleichbar, haben diesen gegenüber aber den Vorteil, dass mögliche Dividenden selbst bei Kursindizes in das Fondsvermögen und damit schließlich an den Anleger fließen, während Dividenden bei Zertifikaten nur dann dem Anleger zugute kommen, wenn es sich um ein Zertifikat auf einen Performanceindex handelt.

Die stetig wachsende Nachfrage nach ETFs gerade bei den institutionellen Investoren im europäischen Raum ist eng mit dem Begriffen „Indextracking“ oder mit der Investmentphilosophie des passiven Portfoliomanagements verbunden. Unter Indextracking wird die Nachbildung geeigneter Kapitalmarktindizes in Form von Wertpapierportfolios verstanden. Schon das Capital Asset Pricing Modell (CAPM) zeigte unter der Annahme eines rationalen, risikoaversen und nutzenmaximierenden Investors, dass im Optimum jeder Anleger das Marktportfolio bzw. „den Markt“ in identischer Zusammensetzung hält. Demzufolge können aktive Strategien langfristig und systematisch nicht besser als „der Markt“ sein. Die Aussagen des CAPM werden zudem unterstützt durch eine andere Sichtweise Sharpe’s, der aufgrund einfachster Annahmen schlussfolgert, dass der Durchschnitt aller aktiv gemanagten Wertpapierportfolios auch nur die durchschnittliche Marktrendite erzielen kann und daher nach Berücksichtigung von Kosten die durchschnittliche Rendite der aktiv gemanagten Wertpapierportfolios unter der durchschnittlichen Rendite der passiv gemanagten Wertpapierportfolios liegen muss. Zudem basiert die Entwicklung und Historie von ETFs auch auf einem der meist kontrovers diskutierten Themen unter Finanzmarktexperten, nämlich der Debatte, ob Portfolios mit einem aktiven oder passiven Managementansatz verwaltet werden sollten.

Die Idee des Indextracking vertritt dabei die Investmentphilosophie des passiven Portfoliomanagementansatzes. Der passive Portfoliomanagementansatz verfolgt im Gegensatz zum aktiven Portfoliomanagementansatz ein anderes Ziel, nämlich den Referenzindex nachzubilden bzw. zu „tracken“ und demzufolge ein vergleichbares Anlageresultat zu erzielen. Indexorientierung bedeutet daher auch, die Wertentwicklung des Referenzindex (Benchmark) prozyklisch nachzuvollziehen. Somit streben indexorientierte Produkte auch eine möglichst vollständige Korrelation bzw. einen geringen Tracking Error zu ihrem Referenzindex an.

Der aktive Portfoliomanagementansatz hingegen visiert das Ziel an, seinen Referenzindex zu schlagen und somit eine Überrendite (Outperformance) zu erzielen. Hinsichtlich des Risikos beinhalten passive Managementansätze daher auch nur das systematische Risiko, während aktive Managementansätze darüber hinaus auch ein unsystematisches Risiko besitzen. Das systematische Risiko beschreibt dabei die gemeinsame Abhängigkeit der Wertpapiere von den Bewegungen des Marktes, weswegen es auch als Marktrisiko bezeichnet wird. Dieses Risiko, dem alle Wertpapiere gleichermaßen ausgesetzt sind, lässt sich im Portfolio nicht beseitigen. Das über das Marktrisiko hinausgehende Risiko wird als unsystematisches Risiko bezeichnet, wobei hierbei noch in Risiken aus Residualfaktoren und spezifische Risiken der im Index gelisteten Unternehmen unterschieden wird. Zentrales Merkmal des unsystematischen Risikos ist, dass es mit zunehmendem Diversifikationsgrad im Portfolio reduziert werden kann. Da passive Anlageformen wie klassische Indexfonds oder passive ETFs mit ihren jeweiligen Referenzindizes ganze Märkte nachbilden, weisen Sie bezüglich des jeweiligen Marktes die gleiche Diversifikation und das gleiche Risiko auf. Eine Übernahme von unsystematischen Risiken ist somit ausgeschlossen.

Die wachsende Bedeutung von Indextracking wird insbesondere durch viele akademische Studien und Untersuchungen forciert, die immer wieder zu dem Ergebnis gelangen, dass bei aktiv gemanagten Investmentfonds nur ein geringer Anteil langfristig besser abschneidet als die zugrundeliegende Benchmark. Die Ergebnisse dieser Studien sind übereinstimmend mit den Annahmen der Theorie der Kapitalmarkteffizienz (engl.: Efficient Market Theory), welche behauptet, dass Marktpreise am Kapitalmarkt unverzögert sämtliche relevanten Erwartungen und Informationen reflektieren und zukünftige Marktentwicklungen aufgrund dessen nicht voraussehbar sind. Die Annahme, dass der Kapitalmarkt effizient ist, impliziert zudem, dass sowohl Fundamental- als auch Chartanalyse keine geeigneten Mittel darstellen, um Informationsvorsprünge gegenüber anderen Marktteilnehmern zu erlangen und kontinuierlich über einen längerfristigen Zeitraum eine höhere Rendite (Outperformance) nach Abzug aller Kosten als der Gesamtmarkt zu erzielen. Anhänger der Theorie effizienter Märkte glauben daher, dass ein Investment in den Gesamtmarkt über einen Index die geeignetere Variante darstellt, um ein diversifiziertes Portfolio zu konstruieren bzw. nachzubilden. Die Untersuchungsergebnisse unterstreichen daher auch, warum ETF- Produkte derzeit massive Nettomittelzuflüsse erleben. Allerdings gibt es auch eine Vielzahl von Kritik am passiven Portfoliomanagementansatz bzw. am Indextracking. Das wohl gewichtigste Argument dieser Kritiker ist die Tatsache, dass Anleger sich mit einer Investition in ein den Gesamtmarkt nachbildendes Finanzprodukt zwar die durchschnittliche Marktrendite aller Marktteilnehmer sichern, diese „Sicherheit“ aber mit einem Verzicht auf eine Überrendite erkauft werden muss. Somit ist keine Outperformance gegenüber der Benchmark möglich. Weitere Kritikpunkte sind die Nichtanerkennung der Effizienz von Kapitalmärkten von vielen Marktteilnehmern und sowie die Tatsache, dass Indizes keine optimal diversifizierten Portfolios im Sinne der Portfoliotheorie darstellen.

 

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