Value at Risk-Einschätzung dient als objektiver, einheitlicher Indikator
Komplexität der Produkte und Heterogenität erschweren Risikoeinschätzung
Die Anlageentscheidung privater und institutioneller Investoren wird zunehmend durch das Risiko eines Wertpapiers bestimmt. Käufer derivativer Wertpapiere schätzen daher vor allem den Vorteil dieser Anlageform, ein auf Markterwartung und Risikobereitschaft individuell abgestimmtes Anlageprofil zu bieten.
In der Praxis ist es nicht immer leicht, eine zuverlässige Risikoeinschätzung vorzunehmen. Aufgrund ihrer Zusammensetzung und damit ihrer Komplexität ist die Höhe des Risikos von der Wirkungsweise der Teilprodukte abhängig. Hinzu kommt, dass die Maßstäbe der Risikobewertung verschiedener Emittenten nicht vergleichbar sind: Die Berechnung der Risiken ist unterschiedlich, die Anzahl der Risikoklassen variiert, Grenzen und Zuordnungsprinzipien der Klassen sind uneinheitlich. Auch die statische Betrachtung führt zu Problemen: Ist eine Einschätzung des Risikos bei Auflegung erfolgt, bleibt diese in der Regel über die Gesamtlaufzeit gleich. Marktveränderungen und Volatilitätsschwankungen werden nicht erfasst.
Der Value at Risk als Entscheidungsgrundlage
Das Prinzip des Value at Risk ist einfach. Er ermittelt auf der Grundlage historischer Daten - z.B. der Volatilität und statistischer Analysen - das Verlustrisiko des Portfolios. Nach einer definierten Haltedauer wird dieser angenommene Verlust nur mit einer geringen Wahrscheinlichkeit überschritten. Die Berechnung dieses Verlustpotentials, das mit einem bestimmten Konfidenzniveau angegeben wird, wird auf der Basis marktorientierter Preisänderungen vorgenommen.
Dazu ein Beispiel: Ein VaR von 15 sagt aus, dass bei einer Haltedauer von 10 Tagen der Verlust mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% nicht höher als 15 Geldeinheiten sein wird.
Hat der VaR einen negativen Wert, so ist dieser Wert im Risiko-Kontext als Null zu interpretieren. Hier findet mit 99% Wahrscheinlichkeit eine positive Kursentwicklung statt, was nicht heißt, dass das Produkt risikolos ist. Verantwortlich hierfür ist der weiter unten beschrieben Zeitwerteffekt.
Die Berechnungen der Zertifizierungsgesellschaft der ebs European Business School mbH und des Derivate Forums gehen von einem 99%igen Konfidenzniveau und einer Haltedauer von 10 Tagen aus. Daneben werden auch VaR-Werte für eine Haltedauer von einem Jahr ermittelt.
Mit dem Einsatz des VaR in dem Risikoausweis des Derivate Forums kommt ein professionelles Instrument zukünftig auch allen Privatanlegern zugute. Die Vergleichbarkeit der Derivate-Angebote wächst, die Risikoeinschätzungen verbessern sich.
Berücksichtigung aller Risikokomponenten
Zur Berechnung des Value at Risk werden fünf Risikokomponenten herangezogen:
| Riskikokomponente | Beschreibung |
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| Bonitätsrisiko des Emittenten | Veränderung des Risikoaufschlags bei den Anleihen des jeweiligen Emittenten (Credit Spreads) |
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| Kursrisiko | Veränderung des Kurses des zum Derivat gehörenden Basiswertes |
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| Volatilitätsrisiko | Veränderung der impliziten Volatilität dieses Basiswertes |
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| Währungsrisiko | Veränderung des Wechselkurses bei Derivaten mit einer Fremdwährungskomponente |
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| Zinsrisiko | Veränderung des Zinsniveaus am Markt |
Durch die teilweise Abhängigkeit einzelner Risiken untereinander („Korrelation“) ist die Summe der Einzelrisiken größer als das ermittelte Gesamtrisiko - das nennt man den Diversifikationseffekt. So führen zum Beispiel stark fallende Kurse („Kursrisiko“) meist auch zu einem Anstieg der Volatilität („Volatilitätsrisiko“)
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