Vor kurzem war ich wieder einmal unterwegs als Referent einer Veranstaltung in Frankfurt am Main. Das Thema war passend zur besinnlichen Vorweihnachtszeit “Börsenchaos - Risiken und Chancen″. In diesem Rahmen gab es wieder eine Vielzahl von hochinteressanten Anregungen für mich. Mit einer Zuhörerfrage nach einem gewissen “Amero” möchte ich mich heute einmal näher beschäftigen.
Vom US-Dollar zum Amero? Das Wort Amero ist eigentlich eine Mischung der Begriffe Amerika und Euro. Im Internet und in Medienberichten wird dieser Begriff als Bezeichnung für eine mögliche, jedoch derzeit noch hypothetische Währung verwendet. Im Moment ist das ganze aus meiner Sicht jedoch eher eine Art Verschwörungstheorie, auch wenn sich diese durchaus auch bewahrheiten kann. Aus meiner Sicht würde ein derartiger Amero sogar durchaus seine Berechtigung haben. Die Verschwörungstheorie oder das Gerücht - wie immer Sie es sehen möchten - lautet dabei, dass die Regierungen der Staaten Kanada, USA und Mexico unbemerkt von der Öffentlichkeit die Errichtung einer nordamerikanischen supranationalen Organisation (North American Union) planen. Diese Union soll dabei mit einer gemeinsamen Währung und weitreichenden Kompetenzen ähnlich der Europäischen Union ausgestaltet sein. Gerücht oder Verschwörungstheorie schreibe ich im Übrigen deswegen, da in offiziellen Stellungnahmen seitens der Regierungen regelmäßig die Existenz derartiger Pläne ausdrücklich verneint wird. Dennoch erfährt der Begriff des Amero in den USA ein immer größeres Medienecho. Auch bei uns in Europa werden diese Diskussionen nun immer stärker wahrgenommen. Der Amero - Wahrheit, Wirklichkeit oder Verschwörungstheorie? Seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 wurde im Internet verstärkt ein Gerücht publiziert, dass die US Regierung die Summe von 800 Milliarden Ameros an die Chinesische Chinese Development Bank verschickt hat. Das ganze diene seitens der US-Regierung zur Vorbereitung eines totalen US-Dollar Verfalls. Viele, welche die Meldung gelesen haben, empfanden diese Meldung als Witz, wie so oft bei derartigen Thesen. Also eine klassische Falschmeldung oder Verschwörungstheorie eines Spinners. Das ganze wurde jedoch noch verstärkt durch ein Internetvideo, in welchem eine dieser - angeblich bereits im Jahr 2007 geprägten Ameros - gezeigt wurde. Der Grund, warum diese Lieferung Ameros laut dem Bericht erfolgte wäre, dass China aufgrund der Handelsbilanz mit den USA im Moment 2,3 Billionen US-Doller in seinen Devisenreserven ausweist. Die Regierungen der Welt würden nun anfangen zu verstehen, dass der US-Dollar als Währung wertlos werden wird, weil die US Regierung soviel Geld ausgegeben hat, dass sie derzeit 80-90% des Weltvermögens brauchen würde, um alle US-Amerikanischen Verbindlichkeiten zu bedienen. Die Regierungen der Welt würden nun also nach dem “Internet Gerücht” wissen, dass das so nicht weitergehen kann und in einigen Monaten würde der US-Dollar als Währung komplett kollabieren. In Vorbereitung darauf will die Regierung somit angeblich eine neue Währung - den Amero - einführen. Die Länder USA, Kanada und Mexiko würden nach dieser These dann ihre jeweiligen Landeswährungen (US-Doller, Kanadische Doller und Mexikanische Pesos) vereinen und durch den Amero ersetzen. Die Hypothese - So wird der US-Dollar kollabieren? Hier geht der Bericht von folgender Hypothese aus: Zu einem bestimmten Zeitpunkt würde die Menge der Amerikanischen Schulden und deren Zinslast nicht mehr bedienbar sein können. Es würde dann nicht einmal mehr genug Geld für die Zinsen vorhanden sein. Dann würde der Treasury Secretary der USA einen “Force Mayor” ausrufen, also eine Bedrohung, welche nicht mehr kontrolliert werden könnte. Danach würden die US Schulden für komplett ungültig erklärt werden. Die Menschen würden mit dem “Force Mayor” direkt nichts anfangen können, dafür aber die Banken und die Börsen. Weltweit würde das dazu führen, dass alle Anleger oder Bürger den US-Dollar verkaufen wollen. 98% Geldentwertung Innerhalb von Tagen würde der US-Dollar dann wertlos sein, weil ihn niemand mehr haben möchte. Dann würde der Treasury Secretary den US-Dollar als Währung für ungültig erklären. Dies würde bedeuten, dass der US-Dollar dann kein Geld oder Zahlungsmittel mehr wäre. Jegliches Vermögen in US-Dollar, also Bankkonten, Sparkonten, Anleihen oder alles, was in US-Dollar als reinem Geldwert bewertet ist, würde dann wertlos sein. Jeder Anleger oder “US-Dollar-Gläubiger” wäre dann von einem Totalverlust betroffen. Die Regierung würde dann hoffen, dass soviel Panik herrscht, dass sie folgendes anbieten kann: Die einzige Chance, einen Teil des Geldes zurückzubekommen wäre, den Amero als Währung zu akzeptieren und dafür 2 Cent! je Dollar zu bekommen. Das wäre laut dieser These der größte Betrug auf der Welt, den es je gab. Der Plan wäre, dass jeder Durchschnittsbürger gezwungen wäre, den Amero zu akzeptieren. Truppen würden bereits aus dem Irak zurückgebracht für den dann wahrscheinlichen Fall von zivilen Protesten und inneren Unruhen. Flucht in Gold und Silber Der einzige Weg, um sich zu schützen, wäre der Besitz von Edelmetallen wie Gold und Silber. Noch wichtiger ist laut dem Bericht die Eröffnung von ausländischen Konten, verbunden mit dem Transfer von so vielen US-Dollar wie möglich. Die Banken sollen dann das Geld in die jeweilige Landeswährung konvertieren, wie zum Beispiel Britische Pfund oder Schweizer Franken. Der Euro wäre nicht zu empfehlen, da nichts und niemand dahinter steht. Außerdem wäre der Euro ebenfalls anfällig für eine solche Art von finanziellem Kollaps. Diese Hypothesen zum Amero im aktuellen, oben beschriebenen Zusammenhang halte ich persönlich für einen Fake (Witz) oder eben auch eine gezielt gestreute Verschwörungstheorie. Dennoch die Idee und der Gedanke von “Kontinentalgemeinschaftswährungen” oder auch einer zukünftigen Weltleitwährung - durchaus auch wieder gekoppelt beispielsweise an Gold - halte ich für sehr interessant. Grundsätzlich möchte ich auch nicht ausschließen, dass derartige Überlegungen - wenn auch in abgewandelter Form - durchaus irgendwo in Schubladen liegen könnten. Dennoch bleibe ich lieber bei den realen Fakten und hier hat beispielsweise der US-Notenbankchef Ben Bernanke folgendes Statement abgegeben: Bernanke wurde von Ron Paul (Republikaner, Texas) vor dem US-Kongress am 18.11.2008 anlässlich der Fragestunde vor dem Finanzausschuss mit Ben Bernanke und Henry Paulson folgendes gefragt: “In ihren Treffen, und sie hatten gerade kürzlich noch ein Treffen mit anderen Zentralbankern, ist da der Gedanke aufgekommen oder wurde da gesprochen über eine neue Welt-Reservewährung? Und wenn es so war, hat Gold in diesem Zusammenhang eine Rolle gespielt? Wie wollen sie das Vertrauen wieder herstellen?” Die Antworten von Ben Bernanke auf diese Fragen “Ich glaube nicht, dass das Dollar System tot ist. Ich denke, der Dollar bleibt die internationale, primäre Währung. Wir haben eine Aufwertung des Dollars während der Krise gesehen, weil er offenbar als sicherer Hafen gilt und genügend Liquidität da ist. Wenn man Swaps (Austauschgeschäfte) machen will, braucht man eine solche liquide Währung. Das mag ein Grund sein, warum der Dollar stark ist und ich glaube, dass der Dollar stark bleibt. Ich teile ihren Standpunkt, dass das Handelsbilanzdefizit ein Problem darstellt. Die gegenwärtigen Ungleichgewichte sind ein großes Problem. Aber auch in dieser Hinsicht gibt es in letzter Zeit gewisse Verbesserungen” Frage: “Aber hat das Thema einer neuen Währung nie eine Rolle gespielt?” Bernanke: “Nein, hat es nicht.” Frage: “Hat Gold bei ihren Gesprächen je eine Rolle gespielt?” Bernanke: “Nur in Zusammenhang mit Verkäufen, welche die Zentralbanken planen.” Ich denke hierdurch wird den “Amero Gerüchten” einmal ein wenig der Wind aus den Segeln genommen. Dennoch, nicht nur Unternehmen werden in Zukunft aus meiner Sicht vermehrt fusionieren - müssen - auch Währungen werden zukünftig “fusionieren”. Also lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf, vielleicht gibt es dann analog zur - gescheiterten - Daimlerschen “Welt AG” eines Tages eine Währung namens “Globo”. Goldwährung und Gemeinschaftswährung der Golfstaaten Unter einer Gemeinschaftswährung versteht man im Übrigen das System, dass die gleiche Währung verschiedener souveräner Staaten von all diesen Ländern gleichberechtigt ausgegeben, genutzt und eingesetzt wird. Das bekannteste Beispiel einer Gemeinschaftswährung ist natürlich der Euro. In früheren Zeiten war auch Gold bereits eine Art Gemeinschaftswährung. Auch Gold kann eine Gemeinschaftswährung sein In der Volkswirtschaft ist die Goldwährung oder der sogenannte Goldstandard ein Währungssystem, innerhalb dessen alle Arten von gesetzlichen Zahlungsmitteln auf Verlangen in eine gesetzlich vorgeschriebene Menge Gold umgetauscht werden können. Bis zum 19. Jahrhundert hatten die meisten Länder der Welt Währungssysteme die auf Gold und Silber aufbauten. Im Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es dann zu einem weitestgehenden Wechsel zum Goldstandard. Länder, die eine Goldwährung einführten, hatten dabei drei grundlegende Ziele. Ziele der Goldwährung im 19. Jahrhundert 1. Erleichterung der Abwicklung internationaler Handels- und Finanztransaktionen 2. Erzielung stabiler Wechselkurse gegenüber ausländischen Devisen 3. Stabilisierung der inländischen Währung Diese Ziele glaubte man im 19. Jahrhundert am besten zu erreichen durch einen einheitlichen Währungsstandard von weltweiter Gültigkeit und relativer Stabilität. Dem Gold. Daher wird die Goldwährung oftmals auch einheitliche Goldwährung oder eben Goldstandard genannt. Die Geschichte der Goldwährung Als erstes Land führten die Engländer 1816 die Goldwährung ein. Im Deutschen Reich wurde der Goldstandard 1873 eingeführt, und die meisten anderen Länder folgten diesem Trend dann bis zum Jahr 1900. Nach dem 1. Weltkrieg kam es zum Zusammenbruch des Goldsystems. Eine Phase der Wiederbelebung folgte in den zwanziger Jahren, die bis zum großen Börsencrash an der Wall Street 1929 dauerte. Auf diesen Schwarzen Freitag folgte damals dann bekanntlich die Weltwirtschaftskrise. Aufgrund dieses erneuten Zusammenbruchs des Goldwährungssystems schafften Großbritannien 1931 und die USA 1933 die Goldwährung endgültig ab. Hinter diesem Schritt stand bei den Engländern und Amerikanern vor allem die Annahme, dass die Exporte eines Landes durch eine Währungsabwertung gezielt angeregt werden könnten. Eine Erkenntnis, welche in weiterer Folge in vielen Ländern zu beobachten war. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde dann zumindest eine modifizierte Golddevisenwährung durch das Abkommen von Bretton Woods geschaffen. Darin verpflichteten sich die USA bis in das Jahr 1971 US-Dollar zu einem festgelegten Preis in Gold umzutauschen. Im Jahr 1975 spielte Gold dann allerdings nur noch eine geringe Rolle, da die amerikanische Regierung einen Teil ihrer Goldreserven am freien Markt verkaufte und so ihr Gold eher als Ware und nicht mehr als Standard für das Internationale Währungssystem diente. Bis zum Ende der 70er Jahre war in weiterer Folge keine große Währung mehr durch Gold gedeckt und somit in Gold einlösbar. Nur in der Schweiz, die im Jahre 1954 die Konvertierbarkeit des Schweizer Franken in Gold abschaffte ist ein gewisser Teil der Landeswährung no h durch Gold gedeckt. Auch heute werden aufgrund der weltweiten Finanzkrise und der Skepsis gegenüber den “Papiergeldsystemen” die Stimmen immer lauter, welche nach einem neuen Bretton Woods rufen. Gemeinschaftswährung auch in den Golfstaaten Mit einem eskalierenden Verfall des US-Dollar werden auch die Pläne fuer eine arabische Einheitswährung wieder auf der Tagesordnung kommen. Schon lange überlegen die Golfstaaten Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait, Quatar, Bahrain und Oman eine eigene Währungsunion nach dem Vorbild des Euro. Zuletzt waren die Pläne ins Stocken geraten, weil man sich auf politischer Ebene nicht einigen konnte. Neben dem Zeitplan und den Konvergenzkriterien dürfte auch die unterschiedliche Größe der Länder eine Einigung erschwert haben. Der Verfall - oder auch der erwartete Verfall des US-Dollar - lässt jedoch die Inflation der Golfstaaten dramatisch in die Höhe schnellen. Für viele dieser Länder hat diese Entwicklung offensichtlich die Grenze des Tragbaren bereits überschritten. Die - noch - boomende Wirtschaft am Golf hat ohnehin die Inflation schon nach oben getrieben. Durch die Anbindung an den US-Dollar (und damit auch an das US-Dollarzinsniveau) haben die Golfstaaten allerdings kaum Mittel, die Inflation auf geldpolitischem Wege einzudämmen ganz im Gegenteil. Diese Konstellation beschleunigt die Inflation noch. Es gibt auch deutliche Anzeichen für eine klassische Lohnpreisspirale. Die Golfstaaten haben mittlerweile aus diesen Gründen beschlossen, die Einheitswährung wenn möglich bis zum Jahr 2010 umzusetzen. Ob dies gelingt wage ich in der derzeitigen Globalen Krise allerdings stark fraglich und auch von den einzelnen Ländern sind mittlerweile durchaus unterschiedliche Aussagen über den Zeitplan zu vernehmen. Dennoch, durch diesen Schritt würden die Gepflogenheiten des internationalen Ölhandels gewaltig durcheinander gerüttelt werden. Seit über 50 Jahren wird fast überall auf der Welt Öl in US-Dollar bezahlt und die Einnahmen als Dollarreserven gehalten. Nicht zuletzt diese Tatsache ermöglicht es den USA, ihre Staatsverschuldung günstig zu finanzieren. Eine Abkehr vom US-Dollar als Handelswährung für Öl würde mittelfristig eine weitere Abschwächung des US-Dollar mit sich bringen, bei einer gleichzeitigen Aufwertung des Euro. Mein Fazit - Vom Euro, Amero und Asiaro zum Globo? Den Euro gibt es ja schon, vielleicht wird eine Währungsunion der Nordamerikanischen Staaten auch wirklich einmal Realität und es gibt wirklich einen Amero. Eine nordamerikanische Gemeinschaftswährung betrachte ich für also durchaus für nicht unrealistisch. Vor allem, für den Fall, dass der US-Dollar seine Funktion als Leitwährung oder Öl- und Gold-Abrechnungswährung verlieren sollte. Auch in Asien wird es früher oder später einmal eine Gemeinschaftswährung geben, wie immer diese dann auch heißen mag. Asiaeuro wahrscheinlich eher nicht. Ich wage mal die Prognose, dass es in einer globalisierten Welt der Zukunft dann auch wohl eine Weltgemeinschaftswährung eines Tages geben wird. Vielleicht können Sie also eines Tages eine Dose Cola in Tokio, New York, London, Moskau und Frankfurt in der gleichen Währung - welche dann eventuell den Namen Globo trägt - bezahlen. |